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Mein guter Grund

Interview in der „wirzeit“ 01/2024:

»Gott im Leben Raum geben!«

Pater Julian Schaumlöffel OSB ist Benediktiner der Abtei Königsmünster in Meschede und Religionslehrer am Gymnasium seines Ordens. 1970 in Bremerhaven geboren, wurde er durch eine aktive Diaspora-Gemeinde geprägt. „Seit ich fünf war, hat meine Großmutter mich mit zur Messe genommen, mit elf habe ich angefangen, Orgel zu spielen. Kirche war immer meine Heimat“, erklärt Pater Julian.

 

Nach dem Abitur machte er aber erst ein juristisches Staatsexamen, bevor er dem Ruf Gottes folgte und Theologie und Philosophie bei den Jesuiten in St. Georgen in Frankfurt a. M. studierte. Als Schulverwalter des Benedictinums gehört Pater Julian zur erweiterten Schulleitung. Im Kloster regelt er zudem als Cellerar die wirtschaftlichen Belange. Doch damit nicht genug: Er ist örtlicher Kolping-Präses, Schützenbruder, Mitglied der Deutsch-Französischen Liborius-Fraternität und in der Pfarrseelsorge aktiv. Mit dem Mountainbike erobert er die Sauerländer Höhen und liebt es, bei der Gartenarbeit im Schulgarten „mit den Händen im Dreck zu wühlen“.

 

Der Opern-Fan spielt in der Abtei auch die Orgel, gern zur Entspannung in der völlig dunklen Abteikirche.

Bei all dieser gut vernetzten Weltzugewandtheit ist Pater Julian ein durch und durch spiritueller Ordensmann. „Klösterliches Leben ist
für mich Leben in Gemeinschaft, deren tragende Mitte Christus ist. Aus der Quelle der Eucharistie erhalte ich meine Kraft für den Alltag“,
sagt der lebensfrohe Benediktiner, der sich als „fromm im herkömmlichen Sinn“ bezeichnet. Im Kloster habe er die Möglichkeit, Gott ausreichend Raum geben zu können. „In meinem Alltag als Jurist fühlte ich mich darin beschnitten.“ Bei Benedikt sollte die Arbeit vom Gebet durchdrungen sein – Arbeit als eine Art fortwährender Gottesdienst. Dies zu leben und durchzuhalten, versucht der Mönch täglich neu.

 

Als Lehrer hat Pater Julian mit Jesus ein klares Vorbild: Der Ordensmann versucht, in der Schule ein „Hinhörender“ zu sein, der „am persönlichen Leben der jungen Menschen mit Interesse Anteil nimmt“. Dann erst lasse sich „über Gott und die Welt“ reden und Neugier für den Glauben wecken. Seine Schülerinnen und Schüler sähen den Glauben als eine von vielen Alterativen. Eine generelle Offenheit sei aber da, weiß Pater Julian: „Junge Menschen sind kritischer geworden. Aber sie suchen und fragen.“ Jugendliche hätten ein Gespür für Tradition, aber das sei „gespickt mit den Erfahrungen der Wirklichkeit“, erklärt der Religionslehrer. Kirche müsse sich verändern und ein Interesse an der Lebenswirklichkeit der Menschen zeigen. „Dabei darf Kirche sich aber nicht der Zeit anbiedern“, macht Pater Julian ebenso deutlich, „denn Menschen haben auch das Bedürfnis nach Klarheit.“

 

Tief im Innern sehnen sich gerade Jugendliche nach Liebe und Geborgenheit, ist der Benediktiner überzeugt – eine Sehnsucht, die innerweltlich oft enttäuscht werde. „Glaube kann helfen, Gottes Liebe in sich selbst zu entdecken“, benennt der Ordensmann einen guten Glaubensgrund. Dazu passend zitiert Pater Julian Schaumlöffel aus der Initiative „1000 gute Gründe“ gleich zwei Motive: „Mit dem Grund Nr. 3 ‚Bin bei dir‘ macht Gott die größte Liebeserklärung, die ein Vater machen kann. Und Grund Nr. 821 ‚Ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben‘ bekräftigt: Wir sind Gott so wichtig, dass er uns in seiner Hand täglich vor Augen hat.“

 

 

Pater Julian Schaumlöffel, Benediktiner der Abtei Königsmünster in Meschede und Religionslehrer am Gymnasium seines Ordens